Ein insektenfreundlicher Garten entsteht nicht durch einzelne Aktionen, sondern durch viele kleine Entscheidungen im Alltag. Wer Blüten, Rückzugsorte und natürliche Abläufe zulässt, schafft Lebensräume für Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer und andere Insekten. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern um sinnvolle Veränderungen, die sich gut in bestehende Gärten integrieren lassen.
Rückzugsorte für Insekten schaffen
Insekten brauchen mehr als Blüten. Sie benötigen geschützte Plätze zum Überwintern, zur Fortpflanzung und als Schutz vor Witterung und Fressfeinden. Viele dieser Strukturen lassen sich ohne großen Aufwand im insektenfreundlichen Garten integrieren.
Laub, Totholz und natürliche Ecken
Laubhaufen unter Sträuchern oder in Gartenecken bieten Unterschlupf für Käfer, Asseln, Spinnen und deren Larven. Auch Totholz ist wertvoll: liegende Äste, alte Baumstämme oder Holzstücke werden von vielen Insektenarten genutzt. Diese Bereiche dürfen bewusst etwas „unaufgeräumt“ wirken – genau das macht sie für Insekten interessant.
Steinhaufen und offene Strukturen
Locker geschichtete Steinhaufen speichern Wärme und werden gerne von wärmeliebenden Insekten genutzt. Wichtig ist, dass die Steine nicht fest verfugt sind, damit Hohlräume entstehen. Solche Strukturen lassen sich gut mit Stauden oder Kräutern kombinieren.
Insektenhotels mit Bedacht einsetzen
Insektenhotels können sinnvoll sein, ersetzen aber keine natürlichen Lebensräume. Viele gekaufte Modelle sind ungeeignet, weil Bohrlöcher falsch ausgeführt sind oder Materialien ungeeignet sind. Wer ein Insektenhotel nutzt, sollte auf glatte Bohrungen, passende Lochdurchmesser und einen wettergeschützten Standort achten. Für viele Insektenarten sind natürliche Alternativen wie Totholz oder markhaltige Stängel deutlich wichtiger.
Rasen nicht auf Perfektion trimmen
Ein kurz geschorener Rasen bietet kaum Nutzen für Insekten. Wird der Rasen seltener gemäht und dürfen Kräuter wie Klee, Gänseblümchen oder Löwenzahn blühen, entsteht zumindest ein eingeschränktes Nahrungsangebot. Noch besser sind kleine Blühinseln oder ungemähte Randbereiche.
Pflanzen gezielt auswählen
Blüten sind die wichtigste Nahrungsquelle für viele Insekten. Entscheidend ist dabei nicht nur, dass etwas blüht, sondern wie und wann.
Ungefüllte Blüten bevorzugen
Gefüllte Blüten sehen attraktiv aus, liefern Insekten aber kaum Nahrung. Ungefüllte Blüten ermöglichen den Zugang zu Pollen und Nektar und sollten im Garten klar bevorzugt werden.
Blühzeiten über das Jahr verteilen
Insekten sind vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst auf Nahrung angewiesen. Besonders kritisch sind das frühe Frühjahr und der Spätsommer. Eine Mischung aus früh-, mittel- und spätblühenden Pflanzen sorgt dafür, dass durchgehend Nahrung zur Verfügung steht.
Nektar- und Pollengehalt berücksichtigen
Pflanzen unterscheiden sich stark darin, wie viel Nektar und Pollen sie liefern. Datenbanken wie NaturaDB geben hierzu Orientierung. Wichtig ist nicht, jede Pflanze zu optimieren, sondern insgesamt eine gute Auswahl zu treffen.
Insektenfreundlicher Garten – Geeignete Pflanzen
Blühpflanzen
Akelei, Bartblume, Bienenfreund, Blutroter Storchschnabel, Borretsch, Distel, Fetthenne, Fingerhut, Flockenblume, Glockenblume, Klatschmohn, Kornblume, Lavendel, Lupine, Margerite, Malve, Nachtkerze, Nelke, Phlox, Primel, Schafgarbe, Sonnenblume, Taubnessel, Vergissmeinnicht, Wilde Möhre
Sträucher
Brombeere, Holunder, Kornelkirsche, Liguster, Schlehe, Wildrose
Bäume
Apfelbaum, Birnbaum, Kirschbaum, Linde, Ulme
Diese Pflanzen bieten je nach Art Nahrung, Schutz oder beides und lassen sich in viele Gartentypen integrieren.
Weitere Nahrungsquellen für Insekten
Wasserstellen
Insekten benötigen Wasser zum Trinken und zur Eiablage. Eine flache Schale mit Wasser, ergänzt durch Steine oder Murmeln als Ausstiegshilfe, reicht bereits aus. Das Wasser sollte regelmäßig erneuert werden. Wer mehr Platz hat, kann mit einem kleinen Gartenteich zusätzlich Lebensräume für Libellen, Wasserinsekten und Amphibien schaffen.
Fallobst bewusst liegen lassen
Fallobst ist eine wichtige Nahrungsquelle für viele Insekten. Schmetterlinge, Käfer und Wespen nutzen überreife Früchte intensiv. Es reicht oft, das Obst für eine gewisse Zeit liegen zu lassen, bevor es entfernt wird.
Kompost als Lebensraum
Ein Komposthaufen ist nicht nur praktisch, sondern ein wertvoller Lebensraum. Hier finden Insekten Nahrung, Wärme und geschützte Bereiche. Offene Komposte sind ökologisch besonders wertvoll.
Wer sich intensiver mit naturnahen Strukturen beschäftigen möchte, findet im Buch Wilde Ecken für jeden Garten viele praktische Anregungen. Der Fokus liegt darauf, bewusst kleine wilde Bereiche zuzulassen, Wildblumen und Kräuter sinnvoll zu kombinieren und Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Tiere entstehen zu lassen. Das Buch eignet sich besonders für alle, die ihren Garten Schritt für Schritt naturnäher entwickeln möchten, ohne ihn komplett umzugestalten.
Fazit
Ein insektenfreundlicher Garten entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch ein Zusammenspiel aus Pflanzenvielfalt, natürlichen Strukturen und etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit Ordnung. Wer Laub liegen lässt, Blühzeiten bewusst plant und auf chemische Mittel verzichtet, schafft langfristig Lebensräume für Insekten – und profitiert selbst von einem lebendigen, vielfältigen Garten.
