Um die Kresse mit bestem Erfolg zu pflanzen, muss man vor allen Dingen eine Quelle besitzen, die ganz reines, weiches perlendes Wasser führt; der Gehalt des Wassers an Kohlensäure trägt sehr viel zum üppigen Wachstum der Brunnenkresse bei.
Die Anlage zur Brunnenkresseerzeugung, sogenannte Wasserbeete oder Klingen, wird so nahe als möglich an der Stelle gemacht, wo die Quelle aus der Erde hervorkommt, denn die Brunnenkresse kann nur in einem Wasser gut gedeihen, das im Winter nicht zufriert. Die Klingen selbst sind eigentlich Wassergräben, auf deren vorbereitetem Boden die Kresse gepflanzt wird. Die Breite derselben läßt sich nicht bestimmen, gewöhnlich ist sie 2 1/2 m, da sie von der Menge des Wassers abhängt, das die Quelle hergibt. Die Tiefe der Klinge kann bis zu 75 cm betragen, muß aber etwas Gefälle haben, damit das Wasser darin nicht stille steht, sondern mäßig fließt und abzieht. Hat das Wasser zu wenig Fall, so fault die Kresse leicht. Man bringt nun in den ausgehobenen Graben 20 cm hoch gute Gartenerde und auf diese ebenso hoch gute Kompost- oder gut verrottete Misterde und macht sie ganz eben. Wenn dies geschehen ist, läßt man das Wasser in die Klinge hinein. Ist die Erde vom Wasser durchweicht und schlammartig geworden, so wird sie unter Wasser noch mit einem Harkenbalken recht gleich und eben gestoßen.
Mit dem Einpflanzen der Kresse in die so vorbereiteten Klingen verfährt man wie folgt:
Es wird eine Bohle quer über die Klinge gelegt, auf diese kniet der Arbeiter und drückt die Kresse in den Schlamm, stufenweise, etwa 15 cm voneinander, mit der Hand ein. Zu jedem Pflanzloch wird etwa 1/2 Bündelchen d. h. halb so viel, als man mit den Fingern fassen kann, genommen; man nimmt dazu die aus anderen Klingen mit den Wurzeln herausgenommenen Pflanzen, die bald freudig weiter wachsen.
Besonders muss man genau darauf sehen, dass zwischen den ausgerauften Brunnenkressestöcken sich weder Seidengras noch Bachbunge (Veronica Beccabunga), befinden, die sonst als Unkräuter der Kresse nicht nur die Nahrung entziehen, sondern sie sogar stellenweise verdrängen. Befinden sich unter der zum Verpflanzen bestimmten Kresse Stöcke von der wilden Art, so muss man diese sorgfältig ausschließen. Diese wilde Brunnenkresse verdirbt, wenn sie mit der guten kultivierten Art vermischt ist, den Geschmack.
Um Güte und Menge der Brunnenkresse jeden Winter gut und ausreichend zu haben, ist eine jährliche Neupflanzung erforderlich. Der Graben wird zu diesem Zwecke von der alten Brunnenkresse gründlich gesäubert und einige Zeit unter laufendem Wasser gehalten, damit alle nachträglich erscheinenden Unkräuter usw. entfernt werden können. Wenn dieser Zweck erreicht ist, stellt man das Wasser ab, um den Graben für die Neupflanzung durch Aufschüttung von Kompost oder gut verrotteter Mistbeeterde ganz in derselben Weise, wie eingangs erwähnt, vorzubereiten.
Die für die Neuanpflanzung erforderliche Kresse erzielt man wieder dadurch, dass man ein Stück der alten Kresse stehen läßt, die aber öfters beschnitten werden muss, damit sie nicht in Blüte kommt. Die Anpflanzung geschieht dann ganz wie bereits geschildert.
Die Instandhaltung der Gräben bzw. der Grabenränder muss der Ordnungsliebe jedes einzelnen überlassen bleiben.
Die Ernte der Kresse bzw. das Schneiden für den Küchengebrauch geschieht wie folgt: Man legt wieder ein Brett quer über den Graben, auf welches der betreffende Arbeiter kniet, mit der linken Hand die Kresse fasst, soviel wie man eben mit einem Griff fassen kann, und sie dann mit der rechten Hand abschneidet. Soll die Kresse versendet werden, so bindet man jedesmal eine Menge, die man mit der Hand fassen kann, mit einer dünnen Weide zusammen.
Ein Schneiden der Brunnenkresse ist auch erforderlich, wenn vielleicht ein schnelleres Wachsen durch warme Herbsttage hervorgerufen ist, selbst wenn gerade kein Bedarf vorliegen sollte.
Zum Schluss sei noch erwähnt, dass man im Winter die Kresse größtenteils unter Wasser halten muss, um sie dadurch vor dem Erfrieren zu schützen. Man drückt die Brunnenkresse einfach mit einem Brett bzw. mit einer leichten hohlen Holzwalze unter die Oberfläche des Wassers, und zwar gewöhnlich abends, an besonders kalten Tagen ist dies am Tage verschiedene Male zu wiederholen.
Von Frankreich aus wurde ein anderes Kulturverfahren der Brunnenkresse empfohlen, das nachstehend beschrieben sei.
Man wähle eine Stelle des Gemüsegartens, die wenig Sonne erhält, hebe die Erde von 2 m Länge und 2 m Breite und ungefähr 25 cm Tiefe aus. (Diese Beetgröße genügt für einen Haushalt von Durchschnittsgröße).
Der Boden des so ausgehobenen Beetes wird festgestampft oder mit Ziegelsteinen ohne Kalk oder Zement gepflastert, damit das Wasser stets versickern kann, denn stehendes Wasser verdirbt leicht den Geschmack der Kresse. Der Rand des Beetes wird durch Bretter oder Ziegelsteine befestigt. In das so hergestellte Beet kommt zuerst eine Lage von 2 bis 3 cm feinem Sand, dann eine ebenso starke Schicht Gartenerde und darauf 3 bis 4 cm hoch gut gesiebte Mistbeet- oder Komposterde.
Nachdem die Erde gut geebnet ist, wird die Kresse in Reihen von 20 cm Entfernung gesäet, dünn mit Erde bedeckt und mit feiner Brause gegossen. Nach dem Aufgehen und im weiteren Wachstum wird entsprechend mehr gegossen.
Für diese Art der Anzucht kann man auch Pflanzen benutzen, wie dies bei der Wasserkultur angegeben wurde, vielleicht mit mehr Vorteil als durch Heranzucht aus Samen, da dieser nicht so schnell fertig entwickelte Pflanzen liefert. Die Aussaat geschieht am besten im Frühjahr, kann aber auch zu allen Zeiten vorgenommen werden, solange der Boden frostfrei ist. Sobald die Pflanzen 3 cm hoch sind, erhöht man den Boden mit guter Misterde um 1 bis 2 cm. Ist dies geschehen, so genügt ein täglich zweimaliges durchdringendes Gießen.
Zuweilen kommt es vor, dass ein oder die andere Pflanze vorzeitig blüht, es genügt dann, die Blütenstengel abzuschneiden, worauf wieder Seitentriebe austreiben.
Um zu ernten, werden die Pflanzen am besten mit der Schere auf 3—4 cm zurückgeschnitten. Wird die Reihenfolge beim Abschneiden eingehalten, so wird man, am Ende angekommen, die Erstgeschnittenen zur zweiten Ernte herangewachsen finden und auf diese Weise den ganzen Sommer bis zum Frost genügenden Vorrat erhalten.
In dieser Art kultiviert, ist die Kresse ebenso schmackhaft wie bei Wasserkultur und von jedem Gartenbesitzer mit leichter Mühe heranzuziehen.
Nachstehend sei noch eine weitere Anleitung gegeben, wie man ebenfalls ohne natürliche Quellen und Klingen sich diesen feinschmeckenden Wintersalat ziehen kann.
Die Aussaat geschieht am besten im Februar-April in Töpfe oder Schalen, welche bis zur Hälfte mit Topfscherben und grober Erde gefüllt werden; hierauf wird eine Schicht gesiebte, gut verrottete, mit Sand vermischte Mistbeeterde gebracht, so dass 1/2 cm vom Topfrand freier Raum bleibt. Jetzt wird der Samen gleichmäßig ausgestreut und mit einem Brettchen fest angedrückt; um fortwährende Feuchtigkeit zu erhalten, bedecke man das Gefäß mit einer Glasscheibe oder mit feuchtem Fließpapier. Sobald der weiße Keim aus dem Samenkorn hervorbricht, bedecke man das Ganze mit einer leichten Schicht feingesiebter Erde. Zeigen die Pflänzchen die ersten Blättchen, so richte man sich ein Holzkästchen her, welches mit Erde, wie in oben angegebener Weise, angefüllt wird und pikiert (verstopft) die Pflanzen da hinein. Sind sie genügend erstarkt, so nehme man einen Kübel, welchen man sich am besten durch Halbierung eines Fasses herstellt, in Höhe von 45 bis 50 cm, fülle ihn ebenfalls mit einer handhohen Schicht Scherben, alten Ziegelsteinen, grobem Kies und Erde, bringe darauf wieder eine Schicht kräftige Mistbeeterde, so dass der obere Raum bis zum Kübelrand 10 bis 15 cm beträgt. Hierin pflanze man die Kresse bei 5 cm Abstand nach allen Richtungen und gieße sie mit einer Brause täglich mehrere mal tüchtig an.
Sobald die Pflänzchen eingewurzelt sind, lasse man sie beständig unter Wasser, doch muss es stets rein sein. Dies ist am besten durch Zu- und Ableitung zu bewirken, indem man den Kübel mit der Wasserleitung verbindet und das Wasser zeitweise mäßig fließen läßt.
Heller staubfreier Standort ist durchaus erforderlich, doch darf die Temperatur des Raumes nicht unter 0 sinken, um das Gefrieren der Pflanzen und des Wassers zu verhüten.
Um stets die guten Eigenschaften der Kresse zu erhalten, muss man jährlich eine neue Anpflanzung vornehmen, indem man die alten Pflanzen zurückschneidet und teilt; dies geschieht am besten in der ersten Hälfte des Monats August. Die Erde im Kübel ist wieder durch kräftige Mistbeeterde zu ergänzen.
Eine weitere Kulturweise der Brunnenkresse ohne alle besonderen Wasserbeete usw. ist noch die folgende, welche gleichfalls recht gute Resultate gibt. Für kleineren Bedarf genügt die Aussaat in Töpfe oder Schalen, welche in der soeben beschriebenen Art und Weise ausgeführt wird. Anstatt jedoch die Pflänzchen in ein Fass oder einen Kübel zu setzen, pikiert man sie in etwas größere Kästchen, etwa 4 cm entfernt, und zwar gleich mehrere zusammen in einem Bündelchen.
Wie alle frisch pikierten resp. verpflanzten Pflanzen werden auch sie durch Spritzen und nicht übermäßiges Gießen feucht gehalten. Sind sie genügend erstarkt, so gießt man sie täglich mit der Brause, nimmt aber stets nur reines Wasser. Die Temperatur des Raumes darf, wie oben gesagt, nicht unter 0 sinken, aber auch nicht in die Höhe der Stubentemperatur kommen.
Ist die Kresse gut gewachsen, so dass sie dicht steht und vielleicht fingerlang ist, so beginnt man mit der Ernte, man schneidet ein paar Zentimeter über der Erde ab.
Beim Gebrauch der Kresse ist es ratsam, die Reihenfolge einzuhalten, dann wird beim Schneiden des letzten Satzes der erste Schnitt bereits wieder so weit herangewachsen sein, um die folgende zweite Ernte zu beginnen.
Bei größerem Bedarf zieht man die Brunnenkresse aus Samen (also ohne Klingen) im freien Lande wie folgt:
Im Frühjahr streut man auf ein gut umgegrabenes und der Luft ausgesetzt gewesenes Gartenbeet alte, mit Sand vermischte Mistbeeterde aus in einer ungefähren Stärke von 10 cm, ebnet die- Fläche und überbraust sie denselben Abend. Den folgenden Morgen glättet man die Fläche noch einmal, indem man etwa vorhandene Erdklümpchen zerreibt.
Vor der Aussaat vermengt man den Samen mit feinem Sand und säet ihn breitwürfig und so regelmäßig als möglich auf das vorbereitete Beet aus. Nun bringt man auf die Aussaat eine ganz leichte Schicht feine Mistbeeterde, drückt sie fest an, begießt und bedeckt sie zum Schutze gegen das Austrocknen mit Schattendecken. Die Erde ist durch Überbrausen immer gleichmäßig feucht zu halten, die jungen Pflänzchen härten sich dann leichter ab, werden aber auch durch diese regelmäßige Feuchtigkeit gegen Erdflöhe geschützt.
Sobald die Pflanzen zu blühen beginnen, ist der Zeitpunkt da, um sie zum Zwecke ihrer späteren kräftigen Entwicklung bis auf mehrere Zentimeter über der Erde zurückzuschneiden. Dann wird mittels eines Erdsiebes eine neue Schicht Erde über sie ausgesiebt und das Beet sauber gereinigt und Übergossen.
Nach 10 Tagen beginnen die Wurzelschößlinge sich von neuem kräftiger zu entwickeln. Sobald sie die Länge von 5 bis 8 cm erreicht haben, hebt man sie mit Erdballen bündel- oder handvollweise heraus (also immer mehrere zusammen) und pflanzt sie ebenso bündelweise auf ein altes, gut umgegrabenes kaltes Früh- oder Mistbeet oder auf ein geeignetes, gut geschütztes und entsprechend vorbereitetes Gartenbeet, und zwar in Reihen von 8 bis 10 cm Entfernung. Ungefähr 14 Tage später hat dort die Kresse eine Höhe von 15 cm erreicht und nun kann man mit der Ernte beginnen; der Schnitt erfolgt, wenn die Reihenfolge innegehalten wird, von 14 zu 14 Tagen bis zum Eintritt der Fröste.
Es ist unbedingt nötig, abends regelmäßig zu gießen, und zwar stets mit frischem, reinem Wasser, reichlicher nach dem Verpflanzen und entsprechend mäßiger, wenn sich Blätter und Triebe kräftig entwickeln.
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Bei den Artikeln, Tipps und Tricks, usw. auf dieser Webseite handelt es sich zum größten Teil um Auszüge aus Büchern, die um 1900 erschienen. Daher sind die Rezepte und Anleitungen nicht auf dem neuestem wissenschaftlichen Stand. D.h.: Es ist gut möglich, dass manchmal Mittel und Chemikalien verwendet werden, von denen man heute weiß, dass sie giftig sind. Bevor ihr irgendetwas davon anwendet, solltet ihr euch also auf jeden Fall über die verschiedenen Chemikalien, deren Wirkungsweise und deren Gefahren erkundigen.
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