Die Anzucht der Jungpflanzen geschieht wie beim Knollensellerie. Aussaat jedoch erst Anfang April in ein halbwarmes Mistbeet. 5 g Samen genügen für den Bedarf einer mittelgroßen Familie. Es kommt darauf an, kurze, kräftige, junge Pflanzen mit reicher Bewurzelung zu erhalten, weshalb es sich empfiehlt, die Sämlinge vor dem Anpflanzen zu verstopfen. Das Auspflanzen geschieht Ende Mai.
Auf dem gut zubereiteten Land werden in Entfernung von 90 cm voneinander 45 cm breite und 25 cm tiefe Gräben ausgeworfen, die Erde wird in den Zwischenräumen wallartig aufgesetzt, die Sohle mit einer Lage gut verrotteten Düngers oder guter Komposterde bedeckt und tief umgegraben. Die Anwendung einer künstlichen Volldüngung empfiehlt sich trotzdem, und zwar auf 100 qm 3 kg 40%iges Kali, 4 kg Thomasmehl und 3 kg Chilesalpeter.
Der letztere wird jedoch erst zum dritten Teil kurz vor dem Pflanzen ausgestreut, die beiden anderen Drittel werden in zwei Gaben im Laufe des Sommers als Kopfdüngung gegeben. In die gut vorbereiteten Gräben werden die Pflänzchen, nachdem die Wurzeln und Blätter etwas verkürzt waren, in Abständen von 30 cm ausgepflanzt und mit reichlichen Wassergaben gut gepflegt, da sonst die Blattrippen nicht nur schwach bleiben, sondern auch leicht holzig werden.
Bild: Bleichsellerie in Stroh zum Bleichen eingebunden
Der Bleichsellerie ist Mitte September, gute Pflege vorausgesetzt, groß genug, um mit dem Bleichen beginnen zu können. Die Blätter werden um diese Zeit eine Höhe von 25 cm bei niedrigen Sorten, bei hohen 35 bis 40 cm erreicht haben.
Man verfährt nun folgendermaßen:
An trockenen Tagen gegen Mittag, wenn kein Tau mehr auf den Blättern liegt, werden die Blätter zusammengebunden. Man benutzt am besten Bindeweiden oder Raphiabast als Bindematerial.
Die untere in der Höhe der Herzblätter sitzende Weide zieht man nicht zu fest an, damit erstere Platz zum Wachsen behalten, die obere dagegen fester, um den Regen abzuhalten, ins Innere zu dringen.
Nun behäufelt man die Pflanzen bis zu 1/3 ihrer Höhe, die Erde fest andrückend.
Nach 10 bis 12 Tagen behäufelt man bis zu 2/3 Höhe der Pflanzen, die Erde wieder gut andrückend. Nach weiteren 12 Tagen, vom Binden ab gerechnet etwa in 3 bis 3 1/2 Wochen, ist der Bleichvorgang beendet und es kann mit dem Verbrauch begonnen werden.
Bild: Bleichsellerie mit starkem Papier zum Bleichen umbunden
Man kann die Blattstiele, ohne Erde anzuhäufeln, auch dadurch bleichen, dass man sie mit starkem Packpapier oder mit Stroh umbindet. Bei diesem einfacheren Verfahren brauchen die Reihen nur 50 cm voneinander entfernt zu sein und man kann nach Bedarf die stärksten Pflanzen immer zuerst bleichen. Für den Winterbedarf kann man die zu bleichenden Pflanzen in den Gräben lassen, einbinden, anhäufeln und durch Stroh und Decken gegen Kälte schützen (in Norddeutschland ist dies aber nicht angängig), oder auch herausnehmen, im Keller oder tiefen Mistbeetkasten einschlagen und 20 cm hoch mit Erde oder Sand bedecken, worauf die Stengel bleichen. Im Keller muss man von Zeit zu Zeit nachsehen, ob sich ein Anfeuchten wegen Trockenheit oder ein Durchputzen nötig macht, um faulende Blätter zu entfernen.
Hier noch eine einfachere Kulturweise: In gut gegrabenes, gedüngtes Land, auf flachen, ebenen Beeten wird Mitte bis Ende Mai in Entfernungen von 25 bis 30 cm im Geviert ausgepflanzt. Das Wachstum fördert man durch regelmäßige reichliche Wassergaben; bis Ende August erzielt man von selbst bleichende dichtstehende Stauden. Bei früherem Bedarf wird das Bleichen einzelner Stauden im Beet durch Umbinden mit Packpapier, wie oben angegeben, gefördert. Vor Eintritt des Frostes werden die mit großen Erdballen vorsichtig ausgehobenen Pflarizen in kalte Kästen in 15 cm weiten Reihen gesetzt, in diesen selbst aber dicht nebeneinander. Beschädigte Blätter sind auszuputzen. Ein Teil der Fenster wird, dem Bedarf der gebrauchsfertigen Sellerie entsprechend, mit strohigem Dünger, Strohdecken oder sonstigem Material gut gedeckt und so nach Bedarf fortgefahren. Der zum späteren Bedarf übrig behaltene Sellerie wird bei passender Witterung gut gelüftet und nach Erfordernis ausgeputzt.
Eine weitere einfache Kultur ist, wenn man dem Bleichsellerie von Anfang an einen Frühbeetkasten zuteilen will, ist folgende:
Kräftige Pflanzen von einer Märzaussaat werden im Mai in den Kasten, 50 Pflanzen aufs Fenster, ausgepflanzt. Ab und zu Dunggüsse, vor allem aber reichlich Wasser, in welchem ab und zu eine geringe Menge Kochsalz aufgelöst (eine kleine Handvoll auf 25 l Wasser) wurde, ist dem Sellerie Bedürfnis. Im Herbst bindet man das Kraut zusammen und umwickelt die Pflanzen sorgfältig mit zähem Packpapier, umgibt den Kasten mit einem Bretterverschlag, legt Fenster darauf und auf diese Decken, Matten usw. Wenn alles gut dunkel ist, so ist der Sellerie schon in der Zeit von 3 Wochen fertig gebleicht.
Die Stengel des Bleichsellerie werden meist roh genossen, aber auch in Salzwasser gekocht als Beilage zu Braten verwendet.
Wenn Bleichsellerie in Samen schießt und damit für den Gebrauch verloren geht, so hat dies seinen Grund darin, dass die Pflanzung zeitweise Wassermangel gelitten hat. Schon im Saatbeet ist in dieser Hinsicht Obacht zu geben, da das Insamenschießen seine Ursache darin findet.
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Bei den Artikeln, Tipps und Tricks, usw. auf dieser Webseite handelt es sich zum größten Teil um Auszüge aus Büchern, die um 1900 erschienen. Daher sind die Rezepte und Anleitungen nicht auf dem neuestem wissenschaftlichen Stand. D.h.: Es ist gut möglich, dass manchmal Mittel und Chemikalien verwendet werden, von denen man heute weiß, dass sie giftig sind. Bevor ihr irgendetwas davon anwendet, solltet ihr euch also auf jeden Fall über die verschiedenen Chemikalien, deren Wirkungsweise und deren Gefahren erkundigen.
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